„All“ for kids

An dieser Stelle erscheinen in loser Folge Beiträge speziell für Kinder.


  • Eiskalt erwischt: die Mondfinsternis vom 21. Januar 2019!

    Ulrike Krings Rocha

    Es ist drei Uhr dreißig, es herrscht tiefste Nacht, als ich mit meinem Fahrrad zur Volkssternwarte nach Köln-Sülz aufbreche. Ich möchte die Mondfinsternis sehen, und zwar aus nächster Nähe, das geht am besten durch ein Teleskop. Ich fahre durch menschenleere Straßen und nehme die unwirkliche Stille der Stadt um mich herum wahr: alles schläft noch zu dieser frühen Uhrzeit. Der Vollmond steht am klaren Nachthimmel. Immer wieder sehe ich zu ihm empor, aber noch kann ich keine Veränderung hin zu einer Verdunkelung entdecken. Der runde Mond erhellt mir als treuer Begleiter meinen Weg. Um vier Uhr früh treffen wir uns an der Sternwarte. Es ist kalt – sehr kalt, besonders für Kölner Verhältnisse: es herrschen minus sieben Grad Celsius! Dick eingemummelt öffnen wir die Kuppel und beginnen die Teleskope auszurichten. Wir sind zu viert. Die Montierung der Teleskop-Anlage bewegt sich mit dem vertrauten leisen Summen, bis es in der richtigen Position angekommen ist. Jetzt erfassen wir den Mond, wir sehen ihn hell und deutlich. Wir begrüßen ihn wie einen alten Freund und freuen uns, dass wir die Ehre haben, ihn heute so deutlich sehen zu dürfen. Auf der Terrasse montieren wir zügig die mitgebrachten handlichen Teleskope von Timo und Karsten zum Beobachten und Fotografieren.

    Langsam geht es los mit der Mondfinsternis: um kurz nach vier Uhr sehen wir, wie der Mond an einer Stelle langsam in den Schatten eintaucht! Der Mond sieht jetzt ungewohnt aus, etwa so wie ein riesiger Keks am Himmel, von dem ein Weltraum-Krümelmonster ein kleines Stückchen abgebissen hat! Wir verfolgen live, wie der Schatten immer weiter über die große klare Mondoberfläche wandert. Das Schauspiel geht schnell voran, alle paar Minuten verändert sich etwas. Gegen 5:00 morgens ist ungefähr die Hälfte des Mondes im Schatten verschwunden! Unsere Gummibärchen sind zu dieser Zeit längst gefroren, die müssen wir lutschen. Es ist kalt in der Kuppel, hoch oben über der Stadt. Wir haben eine Thermoskanne mit heißem Tee, aber an die Tassen für das warme Getränk hat keiner gedacht. Improvisation ist alles, es findet sich ein Glas. All das nehmen wir nur am Rande wahr, das gigantische Schauspiel am Himmel fasziniert uns zu sehr. Die Kuppel schützt uns wie ein Kokon vor den langsam zunehmenden Geräuschen und den heller werdenden künstlichen Lichtern der langsam erwachenden Stadt unter uns. Wir haben eine stille Privataudienz mit dem Mond.

    Der Erdschatten bedeckt etwa zur Hälfte die Mondoberfläche (5:13 Uhr), Bild: Karsten Kopp

    Wir bewegen uns ab und zu, um warm zu bleiben. Abwechselnd gehen wir zwischen der Terrasse und der Kuppel hin und her und schauen durch die verschiedenen Teleskope unserem Erdtrabanten bei seiner Kostümierung zu.

    Alle paar Minuten fertige ich eine Zeichnung von der Mondfinsternis an, mit einem Filzstift  auf Karopapier – Bleistift und Zeichenblock liegen vergessen zuhause (gleich neben dem Teebecher). Durch das Zeichnen schaue ich ganz genau hin und merke, wie ich den Mond immer besser kennenlerne. Ich entdecke viele Details, die ich vorher noch nie wahrgenommen habe, obwohl ich den Mond schon seit meiner Kindheit durchs Fernglas betrachte. Um kurz nach halb sechs Uhr ist der Mond fast vollständig in den Schatten eingetaucht. Er leuchtet in einem geheimnisvollen kupferroten Licht.

    Der kupferrote Mond, auch „Blutmond“ genannt (ca. 5:40 Uhr), Bild: Karsten Kopp

    Auf der Dachterrasse vor der Kuppel schießt Karsten prächtige Astrofotos von der Mondfinsternis. Dort weht unter freiem Himmel ein eisiger Wind, es ist noch kälter als im Inneren der Kuppel. Karsten hat einen ganz besonderen Trick, um warm zu bleiben: er trägt beheizbare Schuhe und eine beheizbare Jacke! Er trägt außerdem eine Stirnlampe mit abgedunkeltem Licht, so dass unsere Augen nicht geblendet werden. Das Licht in der Kuppel ist nur noch ein dunkles Rot, das ebenfalls augenschonend ist. Das menschliche Auge braucht immer ein paar Minuten, um sich an neue Lichtverhältnisse zu gewöhnen. Wir können besser beobachten, was am Himmel los ist, wenn um uns herum alles stark abgedunkelt ist.

    Mondfinsternis-Selfie: Cristina, Ulrike, Karsten und Timo in der Sternwarte

    Über drei Stunden beobachten wir den Mond an diesem Morgen, von vier Uhr früh, bis kurz vor halb acht. Dann müssen wir alle zur Arbeit aufbrechen. Auf meinem Weg zurück nachhause begleitet mich der Mond, der noch immer von einem kleinen Schatten verdeckt wird. Ich begegne müden Menschen auf den dunklen Straßen, sie stehen an roten Ampeln. Einige mache ich auf den Mond am Himmel aufmerksam, den im morgendlichen Alltagstrott keiner um mich herum wahrnimmt. Ein Lächeln erscheint auf den Gesichtern, wenn sie den Blick heben und unseren verdunkelten Erdtrabanten erblicken. Es ist ein ganz besonderer Montagmorgen.

    Wie entsteht eine Mondfinsternis?

    Um unsere Erde kreist der Mond. Als unser ständiger Begleiter umläuft er innerhalb eines Monats vollständig einmal unseren Planeten. Du kannst dir die Erde mit dem Mond wie ein eigenes kleines System aus zwei Himmelskörpern vorstellen. Das Erde-Mond-System wiederum kreist um die Sonne. Wenn die Erde auf einer geraden Linie genau zwischen Sonne und Mond steht, entsteht eine Mondfinsternis. Die Sonne strahlt die Erde an und der Erdschatten fällt auf den Mond. Er steht zu diesem Zeitpunkt hinter der Erde. Es entstehen der „Halbschatten“ und der „Kernschatten“. Erst wenn der Mond vollkommen in den Kernschatten eingetreten ist, wird er ganz vom Schatten der Erde verdunkelt. Daraus ergibt sich eine totale Mondfinsternis. Es gibt übrigens nicht jeden Monat eine Mondfinsternis, weil die Bahn des Mondes um die Erde nicht ganz genau in der Ebene liegt, in der sich die Erde um die Sonne dreht.

    Wie entsteht eine Mondfinsternis? Bild: NASA/DLR

    Mondfinsternis selbst gemacht: Das Schatten-Experiment!

    Sucht euch drei möglichst runde Dinge, die unterschiedlich groß sind. Im Bild seht ihr zum Beispiel eine große Schüssel, einen Apfel und einen Flummi. In unserem Experiment stellt die Schüssel die Sonne dar, der Apfel die Erde und der Flummi ist der Mond. Die Sonne leuchtet, das stellen wir mit einer Taschenlampe dar. Die Sonne steht mit der Erde und dem Mond genau auf einer Linie, das könnt ihr mit einer Schnur gut nachbauen. Tipp: Haltet den Faden am besten zu zweit fest! Wenn ihr die Taschenlampe einschaltet, ist die Erde auf der vorderen Seite beleuchtet, auf der hinteren Seite ist sie dunkel. Der Schatten der Erde fällt auf den kleinen Mond. So findet eure eigene kleine „Mondfinsternis“ statt!

    Das Schatten-Experiment, Idee und Bild: Ulrike Krings Rocha

    Warum sieht der Mond so rot aus?

    Das Licht der Sonne besteht aus verschiedenen Farben, wie in einem Regenbogen. Der blaue Lichtanteil wird in der Lufthülle („Atmosphäre“) der Erde herausgestreut. Nur der Anteil des roten Lichts erreicht die Mondoberfläche. Daher sieht der Mond bei einer totalen Mondfinsternis rötlich aus, man nennt dieses Phänomen „Blutmond“.

    Packliste für Mond-Forscher:

    1. Winter: eine richtig warme Winterjacke, Schal, Mütze und Handschuhe, Skiunterwäsche, gefütterte warme Schuhe, sehr empfehlenswert ist ein Ski Anzug (es sollte euch egal sein wie ihr so einpackt ausseht – sorgt unbedingt dafür, dass euch warm ist!)
    2. Sommer: auch in Sommernächten sind eine Jacke und eine Mütze empfehlenswert, Nächte können kalt werden!
    3. Denkt an Essen und etwas Warmes zu trinken.
    4. Frühstückt unbedingt vor jeder Expedition, mit knurrendem Magen forscht es sich nicht gut!
    5. Zeichenmaterial einpacken: Zeichenblock und Bleistift mit angebrachtem Radiergummi sind praktisch.
    6. Klebt eine Taschenlampe mit rotem Transparentpapier ab, so dass ihr abgedunkeltes Licht habt und ihr euch in eurer Umgebung noch gut zurechtfindet. Ihr benötigt eine Lampe, denn im Stockdunklen ein Teleskop aufzubauen ist unmöglich (außerdem müsst ihr die Gummibärchen finden). Mit dem abgedunkelten Licht werdet ihr nicht geblendet.
    7. Experten-Tipp: Am Abend vorher packen (weil man am Morgen, wenn es losgeht zu aufgeregt und / oder zu müde ist, um an allen zu denken).
    8. Viel Spaß bei eurer Mission zum Mond!